Analysen zur Effektivität der Betriebsratsarbeit können die Existenz eines Betriebsrats nicht einfach voraussetzen. Denn nicht einmal die Hälfte aller Beschäftigten in der privaten Wirtschaft ist in Deutschland tatsächlich durch einen Betriebsrat vertreten. Hinzu kommt, dass sich Betriebe ohne Betriebsrat gerade in den expandierenden Bereichen der globalen Wirtschaft finden lassen, wie in der wissensbasierten New Economy und der prekären Dienstleistungsarbeit. Auf der Basis von 26 Unternehmensfallstudien stellt der Beitrag vier typische Konstellationen von Betriebsratslosigkeit vor. Sie reichen von wissensbasierten Unternehmen, in denen es einem paternalistisch ausgerichteten Human Ressource Management gelingt, einen Betriebsrat als überflüssig erscheinen zu lassen, bis hin zu Discounter- und Fast-Food-Ketten, in denen Betriebsräte zwar besonders nötig wären, aber von der Unternehmensleitung systematisch verhindert werden. Dazwischen finden sich zwei Konstellationen, die auch deshalb ohne Betriebsrat auskommen, weil sich die Beschäftigten von einem Betriebsrat kaum eine effektivere Interessenvertretung versprechen.
In vielen kleinen bis mittelständischen Betrieben und im Bereich prekärer Dienstleistungsarbeit gibt es keine Betriebsräte. Ingrid Artus untersucht die Arbeitsbedingungen der Beschäftigen und ob und wie diese ihre Interessen vertreten. Sie vergleicht die verschiedenen Systeme in Deutschland und Frankreich, benennt Vor- und Nachteile und zeigt, wie sich in den unterschiedlichen Branchen unter schwierigen Rahmenbedingungen zumindest ein Mindestmaß an Mitspracherecht sichern lässt.
Anhand zweier Fallstudien in multinationalen Dienstleistungsunternehmen (Fast-Food und Transportsektor) aus dem Projekt Betriebe ohne Betriebsrat zeigt dieser Artikel, wie Strategien einer vergemeinschaftenden Unternehmenskultur im Bereich prekärer Dienstleistungsarbeit funktionieren. Der Artikel diskutiert die Probleme der individuellen und kollektiven Interessenvertretung in dieser besonderen Form der Arbeitsbeziehungen, die Gründe, warum die Bemühungen der Beschäftigten um Anerkennung und Gerechtigkeit als „verrückten Kämpfe“ erscheinen, und die Bedingungen, unter denen dennoch Brüche im System absoluter Managementkontrolle entstehen.
» Download (mit freundlicher Genehmigung des Rainer Hampp Verlags, www.Hampp-Verlag.de)
Was lange währt, wird endlich gut. Anderthalb Jahre nach der Tagung zu
»Betrieben ohne institutionalisierte Interessenvertretung« im November
2004 an der TU München ist nun der dazu gehörige Tagungsband erschienen.
Das Buch bietet erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme zu einem Thema, das in der deutschen Forschung lange vernachlässigt wurde: Betriebe ohne Betriebsrat.
Betriebsräte sind eine zentrale Institution des Modells Deutschland – aber sie existieren nur in einer Minderheit der deutschen Betriebe. Wie sieht es in Betrieben aus, die keinen Betriebsrat haben? Wie werden Arbeitszeiten und Entgelte geregelt? Wie werden Konflikte gelöst? Das Buch versucht diese Fragen zu beantworten, in dem es das bereits vorhandene empirische Wissen über Betriebe ohne Betriebsrat sammelt – und dieses um einen Blick über den deutschen Tellerrand hinaus erweitert.
Betriebe ohne Betriebsrat und aktuelle Trends der verfassten Mitbestimmung
Formen der Arbeitsregulierung in der New Economy
Internationale Befunde zu Betrieben ohne institutionalisierte Interessenvertretung
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